Der tibialis posterior ist ein tiefer Muskel der Wade, der den Fuß nach innen zieht, leicht nach unten bewegt und den inneren Fußbogen stützt. Genau deshalb spielt er für Fuß und Sprunggelenk eine größere Rolle, als sein Name vermuten lässt. Wenn er überlastet ist oder die Sehne nachlässt, werden Gehen, Treppensteigen und längere Belastungen oft zuerst unangenehm, später mechanisch auffällig.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Der Muskel stabilisiert den inneren Fußbogen und bremst ein zu starkes Einknicken des Fußes.
- Typische Beschwerden sitzen innen am Knöchel, am Fußbogen und bei Fortschreiten auch außen am Sprunggelenk.
- Einbein-Zehenstand, Blick auf die Fersenstellung und das Gangbild liefern wichtige Hinweise.
- Am meisten helfen Entlastung, stabile Schuhe, Einlagen und gezieltes Krafttraining.
- Wenn der Fußbogen absinkt oder die Belastung trotz Anpassung schmerzt, sollte man das orthopädisch prüfen lassen.

Warum dieser tiefe Wadenmuskel für den Fußbogen so wichtig ist
Der Muskel liegt tief in der hinteren Unterschenkelmuskulatur. Seine Sehne zieht hinter dem Innenknöchel durch den Tarsaltunnel in Richtung Fußwurzel und verteilt ihre Kraft auf mehrere Knochen des Mittelfußes. Genau diese Zugrichtung macht ihn biomechanisch wertvoll: Er zieht den Fuß nach innen, unterstützt die Plantarflexion und hält den medialen Längsbogen in Form.
Plantarflexion heißt, dass sich der Fuß nach unten bewegt, also etwa beim Abdrücken vom Boden. Der mediale Längsbogen ist der innere Fußbogen, der beim Stehen und Gehen wie eine Feder mitarbeitet. Ich sehe in der Praxis immer wieder, dass dieser Muskel unterschätzt wird, weil er tief liegt und nicht so „sichtbar“ ist wie die Wadenmuskulatur.
- Beim Abrollen stabilisiert er das Fußgewölbe und verhindert ein zu starkes Einsacken nach innen.
- Beim Einbeinstand hält er die Ferse besser unter Kontrolle.
- Beim Abstoß hilft er dem Fuß, Druck sauber nach vorne zu übertragen.
Er arbeitet dabei nicht allein, sondern im Zusammenspiel mit den Peroneen, der Wadenmuskulatur, der Plantarfaszie und den Bandstrukturen des Fußes. Sobald diese Funktion nachlässt, wird aus einem Kraftproblem schnell ein Stabilitätsproblem, und genau das zeigt sich meist zuerst an den Beschwerden.
Welche Beschwerden typisch sind, wenn die Sehne gereizt ist
Eine gereizte Tibialis-posterior-Sehne meldet sich selten mit einem dramatischen Ereignis. Häufig beginnt es mit einem dumpfen Schmerz hinter und unter dem Innenknöchel, manchmal erst nach längeren Spaziergängen, beim Treppensteigen oder nach Laufbelastung. Mit der Zeit kann der Fußbogen müde wirken, der Abstoß schwächer werden und der Schmerz auf die Innenseite des Fußes oder sogar auf die Außenseite des Sprunggelenks ausweichen.
| Befund | Was ich daraus meist ableite | Warum das wichtig ist |
|---|---|---|
| Schmerz innen am Knöchel oder im Fußbogen | Frühe Reizung oder Überlastung der Sehne | Oft noch konservativ gut behandelbar |
| Schmerz bei längeren Gehstrecken oder beim Laufen | Belastungsproblem, noch nicht nur Ruheproblem | Laststeuerung ist dann wichtiger als bloßes Abwarten |
| Schwäche beim Abdrücken oder beim Einbein-Zehenstand | Funktionsverlust der Sehne | Das ist ein relevanter Hinweis auf Insuffizienz |
| Abgesunkener Innenbogen, Ferse kippt nach außen | Beginnende Fehlstellung | Hier sollte man die Statik nicht mehr ignorieren |
| Schmerz außen am Sprunggelenk | Fortschreitende mechanische Überlastung | Der Fuß beginnt, anders zu „arbeiten“ als er sollte |
Ich nehme solche Beschwerden ernster, wenn sie mit höherem Alter, Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, wiederholten Umknickverletzungen oder dauerhaft instabilen Schuhen zusammenkommen. Die Sehne hat keine endlose Reserve, und sie heilt eher langsam als schnell. Genau deshalb reicht der Schmerzort allein nicht; ich schaue immer auch auf die Statik des Fußes mit.
Wie ich Reizung, Instabilität und Fehlstellung unterscheide
In der Untersuchung schaue ich zuerst nicht auf ein Bild, sondern auf den Stand. Von hinten erkennt man oft schnell, ob die Ferse nach außen kippt oder ob mehr Zehen sichtbar werden als normal. Danach teste ich den einbeinigen Fersenheber, also den kontrollierten Zehenstand auf einem Bein. Das ist ein einfacher, aber sehr aussagekräftiger Funktionstest.
| Test oder Beobachtung | Was er nahelegt |
|---|---|
| Einbein-Zehenstand ist möglich, aber schmerzhaft | Frühe Reizung oder beginnende Überlastung |
| Einbein-Zehenstand klappt nicht sauber | Deutliche Schwäche oder Funktionsverlust |
| Von hinten sind mehr Zehen sichtbar als normal | Das „Too-many-toes“-Zeichen, also eine Außenabweichung des Vorfußes |
| Die Ferse steht nicht mehr gerade unter dem Unterschenkel | Verlust der medialen Kontrolle und statische Instabilität |
| Der Fuß wirkt steif und lässt sich kaum korrigieren | Fortgeschrittene Fehlstellung mit geringerer Flexibilität |
Bildgebung ergänze ich dann, wenn der Befund unklar ist, ein Riss möglich erscheint oder die Form des Fußes sich sichtbar verändert. Ein Röntgenbild im Stand zeigt die Statik, Ultraschall oder MRT können Sehnen und Begleitstrukturen genauer prüfen. Wenn diese Zeichen zusammenkommen, lohnt sich die Frage nicht mehr, ob nur ein Muskel gereizt ist, sondern wie weit die Überlastung schon reicht.
Was im Alltag wirklich entlastet
In frühen Stadien funktioniert konservative Behandlung oft besser als viele erwarten, aber nur, wenn Last und Training zusammenpassen. Die beste Kombination ist meist nicht eine einzelne Maßnahme, sondern ein sauberes Paket aus Schuhen, Einlagen, dosierter Bewegung und Kraftaufbau. Schmerzmittel oder Eis können ergänzen, lösen das mechanische Problem aber nicht.
| Maßnahme | Wann sie sinnvoll ist | Was sie leistet | Grenze |
|---|---|---|---|
| Stabiler Schuh mit fester Fersenkappe | Bei Alltagsschmerz und instabilem Gefühl | Reduziert unnötige Verdrehung und gibt Führung | Ersetzt keine gezielte Therapie |
| Einlage mit Längsgewölbestütze | Wenn der Innenbogen entlastet werden soll | Verteilt Lasten günstiger | Wirkt am besten zusammen mit Training |
| Bandage oder Brace | Bei längeren Gehstrecken oder stärkerem Schmerz | Nimmt Zug von der Sehne | Im Alltag manchmal sperrig |
| Physiotherapie und Kraftprogramm | Vor allem in frühen Stadien | Verbessert Belastbarkeit und Kontrolle | Braucht Wochen statt Tage |
| Gehboot oder kurzfristige Ruhigstellung | Bei starker Reizung oder akuter Verschlechterung | Gibt der Sehne eine Ruhephase | Nur zeitlich begrenzt, sonst baut Muskulatur ab |
Für ein sinnvolles Reha-Programm plane ich meist mit einem Zeitraum von 4 bis 6 Wochen und einer Durchführung an 3 bis 5 Tagen pro Woche. Vor dem Training helfen 5 bis 10 Minuten lockere Bewegung, etwa Gehen oder Radfahren. Danach sollten Dehnung und Kräftigung sauber aufeinander folgen, nicht hektisch abgearbeitet werden.
- Waden dehnen, einmal mit gestrecktem und einmal mit gebeugtem Knie, jeweils kontrolliert und ohne Zugschmerz.
- Mit dem Theraband den Fuß langsam nach innen führen, nicht ruckartig.
- Einbeinige Fersenheber erst dann steigern, wenn sie sauber und schmerzarm möglich sind.
- Balanceübungen ergänzen, weil der Fuß nicht nur Kraft, sondern auch Kontrolle braucht.
Typische Fehler sehe ich vor allem in Sandalen, weichen und instabilen Schuhen, zu frühem Wiedereinstieg ins Laufen und der Annahme, dass bloßes Dehnen alles löst. Einlagen ersetzen keine Muskelarbeit; sie geben dem Fuß nur die Chance, wieder besser zu trainieren. Wenn der Fuß trotz sauberer Entlastung weiter kollabiert, muss man den Zeitraum und die Strategie neu bewerten.
Wann ich eine rasche orthopädische Abklärung empfehle
Man muss nicht bei jedem Ziehen an den Innenknöchel sofort alarmiert sein. Aber ich rate zu einer zeitnahen Abklärung, wenn der Schmerz über Wochen bleibt, der Fuß sichtbar flacher wird oder der Einbein-Zehenstand nicht mehr gelingt. Spätestens wenn der Schmerz auf die Außenseite des Sprunggelenks wandert, die Ferse deutlich nach außen kippt oder das Gehen unsauber wird, sollte man nicht mehr abwarten.
- Der Fußbogen sinkt innerhalb kurzer Zeit weiter ab.
- Der Einbein-Zehenstand ist plötzlich nicht mehr möglich.
- Es gibt eine deutliche Schwellung oder einen klaren Kraftverlust.
- Nach einem Umknicktrauma bleibt eine neue Schwäche zurück.
- Trotz sinnvoller Entlastung und Übungsprogramm wird es über mehrere Wochen nicht besser.
Operative Schritte sind kein erster Reflex, aber sie werden relevant, wenn mehrere Monate konsequenter konservativer Behandlung nicht reichen oder die Fehlstellung schon weit fortgeschritten ist. Dann geht es je nach Befund um die Sehne selbst, um ihre Führung, um Bänder oder um knöcherne Korrekturen. Je früher man das sauber einordnet, desto realistischer bleiben die Optionen.
Was ich bei diesem Problem besonders achte, damit aus einer Reizung kein abgesunkener Fußbogen wird
Ich schaue bei Beschwerden rund um den inneren Fußbogen immer auf drei Dinge: Funktion, Form und Belastung. Funktion heißt: Kann der Fuß noch sauber abrollen und einbeinig tragen? Form heißt: Steht die Ferse gerade, oder kippt sie bereits nach außen? Belastung heißt: Welche Schuhe, welche Strecken, welche Sportarten und welche Pausen prägen den Alltag?
Wer diese Punkte früh kontrolliert, erkennt Veränderungen oft schon, bevor sie im Alltag richtig stören. Ein Foto von hinten alle paar Wochen, ein Vergleich der Schuhsohlen und ein ehrlicher Blick darauf, ob der Einbein-Zehenstand leichter oder schwerer wird, reichen oft schon als Warnsystem. So lässt sich verhindern, dass aus einer Sehnenreizung eine dauerhafte Fehlstellung wird.